Liebe SBB Community
Es gibt einige Rückmeldungen, die korrekterweise darauf hinweisen, dass bei bestimmten Verbindungen die Umsteigezeiten (zu) knapp bemessen sind. Das kommt daher, dass auf der einen Seite der Wunsch steht, die Reisen so kompakt wie möglich zu gestalten, auf der anderen Seite das Bedürfnis, ausreichende Umsteigezeiten zur Verfügung zu stellen.
In unserem dicht befahrenen Netz ist es eine Herausforderung, alle Wünsche und Bedürfnisse gleichzeitig zu erfüllen. Vor allem dann, wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft: Wenn zum Beispiel eine Türe nicht mehr zugeht. Oder wenn der Zug vornedran ein technisches Problem hat. Oder wenns zu lange dauert, bis alle Reisenden mit Gepäck und Velos ein- und ausgestiegen sind. Oder wenn schlicht zu viele Leute auf den Perrons sind.
Aber wieso kann ein Anschlusszug nicht warten?
Auch wenn es für jede:n von uns frustrierend ist, einen Anschlusszug zu verpassen – besonders wenn man knapp dran ist – müssen die SBB (und alle anderen Bahnen) das Gesamtbild im Auge behalten. Denn in einem Zug sitzen bis zu 1000 Passagiere. Im Anschlusszug auch. Deshalb gibt es Gründe, warum Anschlusszüge nicht warten können.
Vermeidung von Domino-Effekten – zugunsten von Fahrplanstabilität.
Wenn ein Zug wartet, stauen sich hinter ihm ebenfalls Züge, die auf demselben Gleis fahren. Und es bleiben dadurch auch diejenigen Züge stehen, die auf die Ankunft des wartenden Zuges angewiesen sind. Wenn also ein Zug wartet und der Zug hinter ihm auch zu spät ankommt und andere Züge deshalb ebenfalls warten müssen, können schnell mal hunderte, ja sogar tausende Menschen verspätet sein. Das ist wie ein Dominospiel. Um diesen Domino-Effekt zu vermeiden, lässt man lieber den einen Zug nicht warten, denn dadurch sind nur die Fahrgäste im verspäteten Zug betroffen. Doch dank Taktfahrplan hat man ja oft innerhalb von 30 oder 60 Minuten eine nächste Verbindung ans Ziel.
Gründe für eine verkürzte Umsteigezeit.
Beachten der Kapazitätsgrenzen.
In gewissen Bahnhöfen und auf gewissen Strecken gibt es oft nur begrenzte Kapazitäten, sprich Gleise. Das bedeutet, dass man keine andere Wahl hat, als pünktlich loszufahren. Denn das Warten eines Zuges kann zu Staus und weiteren Verzögerungen führen. Man muss immer berücksichtigen, dass auf den gleichen Schienen Regionalverkehr, Fernverkehr, internationale Züge und Güterverkehr rollt.
Beachten von Sicherheits- und Betriebsabläufen.
Zugbewegungen und Bahnsteigbelegungen sind komplexe Prozesse, die aus Sicherheitsgründen eingehalten werden müssen. Wenn aufgrund von Wartesituationen plötzlich zu viele Menschen am Perron stehen, können Personen umfallen, Angst bekommen usw. und dadurch wird die Sicherheit von allen gefährdet. Auch das muss berücksichtig werden, wenn man Züge warten lassen möchte.
Was kann ich tun, um meinen Zug doch noch zu erreichen?
Tipps für Reisende von unseren erfahrenen Pendler:innen:
Optimale Reiseplanung.
Plane bei kritischen Anschlüssen eine grosszügigere Umsteigezeit ein, besonders wenn du zu Stosszeiten oder bei schlechten Wetterbedingungen unterwegs bist oder z.B. einen Flug erreichen musst. Eine längere Umsteigezeit kannst du bei der Fahrplanabfrage auf SBB.ch in den Einstellungen wählen. Auf SBB Mobile ist das in der Android-Version ebenfalls möglich, auf iOS kommt es noch.
Strategische Positionierung im Zug.
Wenn du immer die gleiche Strecke fährst, weisst du bald einmal, wo du sitzen musst, damit du einen kürzeren oder weniger vollen Weg nützen kannst. Z.B in Luzern: In der Unterführung im hinteren Bereich hats sehr oft deutlich weniger Leute als vorne herum. Oder in Bern beim Ausstieg über die Welle. Wenn du noch mehr solcher Tipps hast: Teile sie uns doch unter «Meine Reiseerfahrungen» mit.
Reisen ausserhalb der Pendelzeiten.
Vielleicht kannst du dank Homeoffice flexibler reisen. Und bei Freizeitfahrten gibt’s oft auch Alternativen.
Fahrplanabfrage vor der Reise.
Wirf vor der Reise einen Blick in den Fahrplan. So weisst du, ob auf deiner Strecke alles rund läuft oder ob du Alternativen suchen musst. In vielen Fällen gibt es mehrere Möglichkeiten, dein Ziel zu erreichen.
Reise speichern.
In der SBB Mobile App und im Fahrplan auf SBB.ch kannst du Reisen speichern. Dadurch bekommst du vor und während der Fahrt Infos zu allfälligen Verspätungen oder Gleisänderungen und bist besser vorbereitet. Oft werden auch Alternativen vorgeschlagen.
Netzkarte Personenverkehr anschauen.
Wusstest du, dass du auf der Netzkarte Personenverkehr die aktuelle Verkehrssituation live mitverfolgen kannst? Wähle in den Einstellungen «Pünktlichkeit» aus und schon siehst du auf einen Blick, wo es Verspätungen gibt. So kannst du dementsprechend planen.
Personal ansprechen:
Bei Verspätungen oder Unsicherheiten kannst du das Zugpersonal ansprechen. Sie können dir oft hilfreiche Informationen und Unterstützung anbieten.
Info an den Kundendienst.
Fällt dir eine Verbindung auf, bei der du den Anschlusszug häufig verpasst, dann melde dies ungeniert dem Kundendienst. So können die Planer:innen reagieren und optimieren.
Fazit.
Auch wenn es ärgerlich ist (vor allem beim Pendeln), einen Anschlusszug zu verpassen, gibt es gute Gründe dafür, dass Züge nicht warten können. Eine sorgfältige Planung und die Nutzung der verfügbaren Informationsquellen können jedoch helfen, solche Situationen zu vermeiden oder besser zu bewältigen.
Danke euch sehr und ganz gute Reise,
SBBCFFFFS