Hallo Velöli
Der Familienwagen ist eine Multifunktionszone, die von keiner Personenkategorie alleine in Anspruch genommen werden kann, sondern die gemeinsame Nutzung gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis erfordert. Da gehören auch die Velofahrenden dazu. Und gerade letztere sind aus meiner Sicht die Kundengruppe, die oft am wenigsten verständnisvoll zeigen.
Übrigens, bieten die meisten Fernverkehrszüge heute mehr als 9 Veloplätze.
Als Kundenbegleiter stelle ich fest, dass das Miteinander zunehmend zur gesellschaftlichen Herausforderung wird. Und da kann die SBB nicht viel dafür.
Früher
- wurden die - damals handlichen - Kinderwagen im Familienwagen zusammengeklappt, damit noch weitere Kinderwagen Platz finden. Heute handelt es sich um Luxuswagen, die Platz für den gesamten Haushalt bieten, sich aber nicht mehr falten lassen; 5 Kinderwagen und das Abteil ist voll.
- wurden die Velos am Velohacken aufgehängt, die Gepäcktaschen entfernt. Heute werden die Velos einfach hingestellt, anstelle den Velohacken zu verwenden - die Velos sind zu schwer, oder das Vorderrad könnte eventuell Schaden nehmen, wenn es am Hacken hängt.
- waren Gepäckstücke kleiner, sie fanden zwischen den Sitzen und auf den Gepäckablagen gut Platz. Heute reist jeder mit XXL-Koffer, die auf den Einstiegsplattformen zunehmend die Notausgänge blockieren, so dass sie nur noch im Familienwagen Platz finden.
Das Zugpersonal ist seit eh und je verantwortlich, dass Ein- und Ausgänge, Notausgänge und Notausrüstungen jederzeit frei zugänglich sind. Daher bittet es Kunden mit sperrigem Handgepäck und grossen Buggies, den Familienwagen zu benutzen; anders geht es leider nicht.
Die SBB hat erkannt, dass es auf gewissen Linien, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, mehr Abstellfläche benötigt. So ist auf einigen Linien, auf denen der IC2000 eingesetzt wird, wie etwa nach Brig, ein weiterer Velowagen im Einsatz (Wagen 8). Dazu wurden extra die Unterdecks von IC2000 Mittelwagen umgebaut - halt auf Kosten von Sitzplätzen.
Optimieren lässt sich sicherlich immer - da Eisenbahnfahrzeuge aber sehr teuer in der Anschaffung sind und über Jahrzehnte im Einsatz stehen (bis zu 40 Jahre), braucht es länger, um auf neue Anforderungen (wie beispielsweise der Freizeit-/Veloboom) zu reagieren. In 5 Jahren gibt es wieder einen neuen Trend, mit Sicherheit.
Um auf deine Frage zurückzukommen: ja, du darfst Gepäck zur Seit stellen, oder dessen Eigentümer bitten, es weg zu stellen, wenn dieses den Velostellplatz versperrt. Aber wenn du dies tust, dann mit Respekt und angenehmen Tonfall. Dazu benötigst du keine:n Kundenbegleiter:in zur Unterstützung, denn die:der würde nichts anderes als dasselbe tun.
Viele Grüsse
Roland