Guten Tag
Eine spannende Frage. Frankreich kennt solche (Fast-)Nonstop-Direktverbindungen. Mit dem TGV kann man nonstop z.B. von Paris Gare de Lyon nach Marseille Saint-Charles fahren, einmal quer durch’s Land.
Für eine Strecke ZH-Genf sehe ich am ehesten noch Potential. Allerdings bezweifle ich, dass es dafür eine grosse Nachfrage gäbe. Vermutlich fährt ein ziemlich grosser Teil der Reisenden, die in Zürich in den IC1 einsteigen, nicht bis Genf sondern nur bis Bern oder Lausanne. Dasselbe gilt von bzw. ab Genf. All diese Reisenden wollen ja immer noch fahren können und nicht auf Umsteigeverbindungen ausweichen müssen. Der IC1 in der heutigen Form müsste also auch bestehen bleiben.
Damit dieser Superschnellzug halbwegs gerechtfertigt wäre (Trassen, also der ‘Platz auf der Schiene’, sind sehr knapp), müsste er auch einigermassen ausgelastet sein. Mit der totalen Anzahl der Reisenden, die von Zürich nach Genf wollen, wird man aber nur wenige Züge füllen können und somit wären das dann halt nur einige wenige Züge am Tag. Vermutlich würden die wenigsten Reisenden ihre Pläne dann auf diese Züge ausrichten, die zwar einige Minuten schneller sind, aber dafür muss man genau diesen Zug nehmen.
Eine andere Problematik ist eventuell die Pausenregelung der Lokführer. Ich weiss nicht, ob Lokführer so lange durchfahren dürfte ohne Pause. St. Gallen - Genf wäre vermutlich auch mit einem Nonstop-Zug um die 4 Stunden. Diese Frage kann uns eventuell ein Lokführer beantworten?
Zurück zum Beispiel Zürich-Genf: Der Zeitgewinn vermutlich relativ klein gegenüber dem IC1 mit lediglich 4 Halten (Bern, Fribourg, Lausanne und Renens). Eine kleine Rechnung (Als Physikstudent kann ich’s nicht lassen): Der Einfachkeit halber gehen wir von einer duchgehenden Maximalgeschwindigkeit von 200km/h = 55.6 m/s aus. Alle Abweichungen betreffen ja die regulären Züge und die Nonstopzüge gleichermassen. Der RABe 502 als Beispielzug hat eine Beschleuningung von 0.85m/s². Somit erreicht dieser seine Maximalgeschwindigkeit theoretisch nach 55.6 m/s / 0.85m/s² = 65.4 s und hat dabei 0.5(65.4 s)²0.85m/s² = 1.815 m zurückgelegt. Der Zeitverlust gegenüber der Fahrt bei 200 km/h beträgt somit 65.4 s - 1.815 m / 55.6m/s = 32.7 s.
Diese Beschleunigungs- bzw. Bremsphase gibt es bei jedem Halt zwei mal, also total 8 mal und der totale Verlust durch die Aufenthalte an den Bahnhöfen ist 11 Minuten. Somit wäre der direkte Zug gemäss dieser groben Rechnung gut 15 Minuten schneller. Ob dies für viele Reisende Grund genug wäre, von stündlichen Verbindungen auf einige wenige Züge zu wechseln?
Für St. Gallen - Zürich bzw. - Genf kann ich das Anliegen noch mehr verstehen, denn mit Gossau, den 3 Wil’s, Winterthur, Zürich Flughafen und Zürich Oerlikon kommen bis nach Zürich HB eher Regioexpress-Gefühle auf. Dort fährt der IC5 beschleunigt, denn dieser kann als Neigezug sein Potential ohne Zwischenhalte besser entfalten als der IC1, der kein Neigezug ist. Damit erreicht der IC5 eine Fahrzeit von einer Stunde von Zürich nach St. Gallen, was für den Taktfahrplan relativ wichtig ist. Bis vor einigen Jahren fuhr auch einer der zwei stündlichen IC5 bis Genf, was aber aus mehreren Gründen nun zurückgestellt wurde. Zwischen Basel und dem Tessin wären Züge via Muri meiner Meinung tatsächlich sinnvoll, denn schneller als die Spitzkehre in Luzern ist das allemal.
Herzliche Grüsse
Tafunge25