Sehr geehrte Damen und Herren der SBB-Geschäftsleitung,
Sehr geehrte Verantwortliche des Bereichs Customer Experience und Vertrieb,
ich schreibe Ihnen heute als treuer und stolzer Inhaber eines Generalabonnements (GA). Man könnte meinen, der Zustand Ihrer Ticketautomaten an den windigen Bahnhöfen dieser Schweiz könnte mir völlig egal sein – doch als leidenschaftlicher Verfechter von Schweizer Designqualität und gesundem Menschenverstand kann ich nicht länger schweigend zusehen, wie eine Ihrer grössten Meisterleistungen mutwillig zu Grabe getragen wurde.
Ich möchte Ihnen heute ein tiefes, nachträgliches Lob für das Benutzeroberflächen-Design Ihrer 3. Automaten-Generation aussprechen (jene unvergessene Ära mit der blau-gelben Menüführung, wie sie im SRF-Beitrag „Umwelt und Verkehr – Billett-Ärger“ so schön dokumentiert ist).
Dieses Interface war keine blosse Software – es war die vollendete Symbiose aus Effizienz, Inklusion und echter Schweizer Ergonomie. Lassen Sie uns gemeinsam in Erinnerung rufen, was Sie damals perfekt gelöst hatten:
Das 3-Sekunden-Ticket: Die riesigen, gelben Kacheln für die Top-Ziele ab dem aktuellen Standort (Zürich Flughafen, Basel SBB, Bern etc.) bedeuteten: Hingehen, tippen, bezahlen, einsteigen. Keine kognitive Last, kein Stress.
Echte Barrierefreiheit als Hardware-Standard: Die fühlbare, taktile Telefonnummer direkt oben am Gehäuse war ein Geniestreich für Sehbehinderte und Menschen in Notsituationen. Zusammen mit der permanenten, unübersehbaren Sprachleiste am unteren Bildschirmrand (Français, Italiano, English) war das gelebte Willkommenskultur für internationale Gäste – ganz ohne die heutige Suche nach winzigen Dropdown-Menüs.
Das Freizeit-Portal: Ein einziger Klick auf die blaue Info-Kachel „Aktionen / Freizeit / Messen“ öffnete die Welt zu den regionalen Highlights – ob Messebesuch oder Foxtrail. Es war intuitiv, einladend und kommerziell genial.
Da ich weiss, wie stark die Versuchung in Ihren Büros ist, diese Mail mit den bewährten Textbausteinen der Kommunikationsabteilung zu beantworten, nehme ich Ihrem Kundendienst die Arbeit direkt ab. Bitte sparen Sie sich folgende Ausflüchte:
„Die Kundschaft wandert ab zur SBB Mobile App“: Das mag für 80 % der Pendler stimmen. Aber ein Ticketautomat im öffentlichen Raum ist die visuelle Visitenkarte der SBB für Gelegenheitsfahrer, ältere Menschen, übermüdete Touristen ohne Schweizer SIM-Karte oder Menschen mit leerem Smartphone-Akku. Nur weil weniger Menschen den Automaten nutzen, ist das keine Entschuldigung dafür, das verbleibende Interface in eine unübersichtliche „Smartphone-Suchmasken-Wüste“ zu verwandeln.
„Das neue Layout entspricht den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG)“: Ein Design wird nicht dadurch barrierefrei, dass man es für Sehende radikal verschlechtert. Die 3. Generation hat gezeigt, dass grosse Trefferflächen und permanente Sprachwähler allen Menschen helfen. Ein moderner Automat hat genug Rechenleistung, um einen „Classic-Skin“ der 3. Generation als Wahlmöglichkeit anzubieten.
„Wir müssen die Software schweizweit vereinheitlichen“: Richtig. Aber warum vereinheitlicht man auf dem Niveau des schlechteren Smartphone-Layouts, anstatt das bewährte, bahnhofserprobte Kachel-Layout der 3. Generation als nationalen Standard zu setzen?
Sie hatten den weltweiten Goldstandard für Ticketautomaten bereits in den Händen. Ich fordere Sie hiermit auf: Zeigen Sie den Mut zur Design-Vernunft. Nutzen Sie die Flexibilität moderner Software und bringen Sie uns das ergonomische, schnelle Layout der 3. Generation als wählbare Oberfläche auf den Bahnhofsbildschirmen zurück.
In tiefer Sehnsucht nach der blau-gelben Effizienz und mit den amüsiertesten Grüssen eines kopfschüttelnden GA-Besitzers,
[Ihr Name]